Eine Industrieanlage – ein Produktionsort.

Die Königliche Saline von Arc-et-Senans ist in erster Linie eine Anlage, dazu gedacht 60000 Doppelzentner Salz jährlich zu produzieren. Ihr Funktionsweise basiert auf der Technik der Verdunstung, wie auch in Salins-les-Bains. Die Sole wird erhitzt, damit das Wasser verdampft und das Salz auskristallisiert. Trotz der Modernität der Saline sind die Systeme klassisch. Die einzige Neuerung liegt im Gebrauch der Gradiertechnik.

Die Gradiertechnik 

Die Salzgewinnung beginnt mit der Versorgung der Anlage mit Rohmaterial : der Sole. Da es in Arc-et-Senans keine salzhaltigen Quellen gibt, wird die Sole durch eine lange Rohrleitung aus Salins-les-Bains herbeigeführt : eine eigens zu diesem Zweck gebaute Soleleitung von 21,25 Kilometern Länge.

Wenn die Sole in Arc-et-Senans ankommt, fließt sie durch ein fast 500 Meter langes Gebäude, Gradierwerk genannt. Dies ist einer der Vorteile der neuen Anlage.Durch das Gradierwerk wird die Produktivität verbessert. Es erhöht im Grunde genommen den Salzgehalt der Sole, wodurch anschließend die Siedezeit reduziert wird und damit der Verbrauch an Brennstoff.

Bâtiment de graduation - Saline Royale d'Arc-et-Senans

Sein Funktionieren beruht auf der natürlichen Verdunstung der Sole. Die durch die Soleleitung kommende Sole wird mittels sechs Pumpen, die von zwei großen Schaufelrädern angetrieben werden, die ihrerseits durch einer Ableitung der Loue in Gang gebracht werden, nach oben auf das Gradierwerk gepumpt. Die Sole fließt durch mit Löchern versehene Leitungen, die sie über das ganze Gebäude verteilen. Von dort rieselt sie durch Bündel aus Dornenzweigen. Der mit beweglichen Klappen ausgestattete Bau läßt Wind in Innere strömen, woduch die natürliche Verdunstung des Wassers herbeigeführt wird. Da Salz nicht flüchtig ist, ist die so erhaltenene Sole konzentrierter.

Man kann die Sole mehrmals das Gradierwerk passieren lassen, um eine noch konzentriertere Sole zu erhalten. Diese aufeinanderfolgenden Operationen erlauben es, den Salzgehalt der Sole auf ein Fünffaches zu erhöhen. Der Salzgehalt steigt so von ungefähr 30 Gramm Salz pro Liter auf fast 140 Gramm pro Liter. Am Gebäudeausgang erlaubt ein unterirdischer 200000-Liter Tank, die Sole bis zur Siedephase zu lagern.  

Das Gradierwerk ist heute verschwunden; es wurde 1920 zerstört. Nur der Unterbau und einige Reste der hydraulischen Anlagen sind noch erhalten.

Sehenswert: Die Überreste dieser alten Anlagen: die Käfiggehäuse der beiden Schaufelräder und die befestigten Ufer des Versorgungskanals. Zu sehen auf dem Salzzöllnerweg an der Etappe « Das Gradierwerk »

 

Verdampfung und Kristallisation

Nach dem Durchlaufen des Gradierwerks gelangt die Sole in die Siedehäuser, wo sie erhitzt wird.Von Pferden angetriebene Pumpen leiten die Sole aus dem Lagertank bis in diese Gebäude. Hier wird sie in « bessoires » genannten Holzbehältern gelagert, bevor sie zum Erhitzen in die Siedepfannen geleitet wird. In jedem Siedehaus stehen vier quadratische Siedepfannen, die an  einen trapezförmigen Tiegel gekoppelt sind, der zum Vorwärmen der Sole dient. Das Ganze  ist über einem Ofen aufgehängt. Das Erhitzen, Sieden genannt, geschieht in drei Phasen:

Der gesamte Arbeitsvorgang dauert 24 bis 74 Stunden und wird achtzehnmal hintereinander ausgeführt, damit keine Hitze verloren geht. Nach diesem Zyclus (der « remandure ») wird eine Ruhezeit von sechs Tagen eingehalten, um die Entkalkung und Wartung der Pfannen auszuführen.

Das gewonnene Salz wird dann im « salle des bosses », am Ende des Gebäudes, in Fässer gefüllt oder in Brotform gebracht

Bâtiment de fabrication des sels - Saline Royale d'Arc-et-Senans

Diese Arbeitsschritte benötigen große Mengen Holz. 14000 Ster Holz werden pro Jahr in unmittelbarer Umgebung, im Königlichen Forst von Chaux, geschlagen. Dieser Verbrauch, zuzüglich dem der anderen ansässigen Industrien (Glashütten, Schmieden, Nagelschmieden, …) bedeutet eine starke Belastung für den Wald und ist Grund für zahlreiche Konflikte bei der lokalen Bevölkerung.

Eine unrentable Fabrik

Die Salzgewinnung in Arc-et-Senans beginnt 1778, noch vor Fertigstellung der Saline im Jahre 1779. Zwischen 30000 und 40000 Doppelzentnern Salz werden jedes Jahr produziert. Dies ist jedoch zu wenig, verglichen mit den vorausgeplanten 60000 Doppelzentnern jährlich. Von Anfang an und während der gesamten Dauer ihrer Tätigkeit, ist der Betrieb der Saline hiermit defizitär.

Darüber hinaus veraltet sie schnell. Einige Jahre später werden ihre wettbewerbsfähigen Vorteile, als da sind: ihre Nähe zum Wald und die Verwendung eines Gradierwerks, durch den technologischen Fortschritt der Epoche überholt:

Die Unrentabilität der Saline führte zu ihrer Schließung. Bereits im Jahre 1840 wird die Einstellung ihrer Aktivität in Erwägung gezogen. Modernisierungsbemühungen erhalten sie jedoch noch weitere 50 Jahre am Leben. 1894 wird schließlich die gesamte Produktion eingestellt, nachdem die Saline wegen erneuter Trinkwasserverschmutzung im Dorf, aufgrund eines Lecks in der Soleleitung, verurteilt wurde.